Buchempfehlungen
29.03.2019 10:57

Scharnow | Bela B. Felsenheimer

Als nächstes möchte ich Euch eine Neuerscheinung ans Herz legen. Ihr kennt doch sicher Bela B. Felsenheimer, den Schlagzeuger der Ärzte? Nein? Auch nicht schlimm. Ich für meinen Teil war früher der größte Fan :)

Jedenfalls erschien am 25. Februar diesen Jahres sein erstes Buch auf dem Markt -Scharnow. Dieses spielt in einem mehr oder weniger fiktiven Berlin und ist eine wilde Reise, die uns sehr stark an einen Tarantino-Streifen erinnert.

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Der Autor ist seinerseits sehr vielseitig. Neben seiner Tätigkeit als Schlagzeuger bei der Rockband die Ärzte ist er noch Gitarrist, Komponist, Produzent, Schauspieler und Synchronsprecher. Und nun auch Schriftsteller. Wer Bela B. bereits ein Wenig verfolgt hat weiß, dass bei einem interessanten Charakter, wie ihm, nichts allzu langweiliges oder alltägliches herauskommen kann. Dies bestätigt nun auch sein Debüt-Roman, der eingefleischte Bela-Fans nicht im Stich lässt. 

Das Tempo ist schnell und die Sprache variiert zwischen blumig und verstörend. Manche sagen, die Story erinnere sie an einen Quentin Tarantino Film- aber natürlich in der Brandenburg Edititon! Felsenheimer versammelt dabei allerhand kuriose Figuren, wie Waffennarren, Pornodarsteller, Verschwörungstheoretiker, ein paar "Alkis" auf der Suche nach der Glückseligkeit, Rassisten und solche, die vorgeben, welche zu sein, ein Mangamädchen, einen syrischen Geflüchteten, Mobber und Gemobbte, einen übergriffigen Schulleiter, einen Transvestiten, zwei verfeindete Brüder, einen mäßig begabten Polizisten, einen Ex-Hooligan, einen Milliardär, der sein Vermögen mit Gülle gemacht hat, ein mordlustiges Buch und ein irritiertes Kreuzworträtselheft, einen Hund mit prominenter Verwandtschaft und eine Katze mit politisch hochrangiger Vergangenheit, ein schwules Eichhörnchenpaar, ein Rhinozeros mit telepathischer Begabung und Literaturblogger. 

Die Handlungsstränge sind vielfältig und wirr, berauschend und genial. Leider wird manches nur angerissen und man wünscht sich vereinzelt, dass auf das ein oder andere Thema noch näher eingegangen würde. Jedoch ist Scharnow mit seinen 416 Seiten nicht gerade eine kurze Lektüre. Darum bleibt am Ende zu hoffen, dass der Autor noch viele weitere Bücher schreiben wird. 

Fazit: Schon jetzt scheint es die Geister zu scheiden, die Kritiken reichen von brilliant bis trashig. Aber mal im Ernst, sind es eben nicht gerade diese Dinge, die an die Genialität heranreichen? Für Verfechter des Realen und Kritiker der surreale Fiktion ist der Roman tatsächlich eher weniger etwas. Wer es verrückt und abgehoben mag und nicht vor  deftigen Ausdrücken zurückschreckt, der ist hier bestens unterhalten.

 

 

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